Vortragsreihe II/IV: Trends im Dekordruck

Dekordruck Urban

In der zweiten Ringvorlesung des Bachelor-Pflichtfachs „Funktions- und Verpackungsdruck“ hat sich Prof. Dr. Ulrich Moosheimer Expertise aus der Praxis, diesmal von Sebastian Andrä der Schattdecor AG, geholt. Zum Thema Trends im Dekordruck – Entwicklung der Technik und neue Produkte erzählte der Experte über Drucktechniken im Dekordruck, über verwendete Materialien und dessen Herausforderungen, sowie über Veredelungen von Dekordruckerzeugnissen. Zum Ende des Vortrags stellte Andrä noch aktuelle Produkte aus dem Dekordruckmarkt vor.

Im Allgemeinen ermöglicht Dekordruck die Fertigung von Möbel- und Fußbodenoberflächen durch Nachbildung von Naturmaterialien (Holz, Stein). Drucksubstrat ist überwiegend Dekorpapier, aber auch vorimprägniertes Papier (VI). Zudem werden thermoplastische Folien bedruckt. Bezüglich Druckverfahren wird mit Tiefdruckzylindern oder mit digitalem Druck (Inkjet) gearbeitet, welches wiederum die Druckfarbe auf die Substrate überträgt.

Im Genaueren werden folgende Druckverfahren angewendet:

  • Tiefdruckverfahren, überwiegend mit wasserbasierter Druckfarbe
  • Inkjetdruck mit wasserbasierter Druckfarbe, Single- und Multipass Anlagen
  • Plattendirektdruck im Inkjetdruck mit strahlenhärtender Druckfarbe (UV)

Die Druckverfahren im Überblick

Die Vorteile des Tiefdrucks gegenüber anderen konventionellen Druckverfahren liegen zum einen in der hohen Standzeit der gravierten und verchromten Druckzylinder (Auflagen bis 1.000.000 m bis zur Neuverchromung). Ebenso ist die Druckqualität mit echten Halbtönen durch halbautotypische Gravur (elektromechanisch oder Laser) sehr hoch. Des Weiteren sind wasserbasierte Druckfarben sowie eine Vielzahl an Drucksubstraten einsetzbar – wie z.B. Dekorpapier, Vorimprägnat, thermoplastische Folien.


Drucktechnik im Dekordruck – Dekortiefdruck
© Sebastian Andrä, Schattdecor AG

Beim Inkjetdruck hingegen wird bei Schattdecor per Drop-on Demand mit Piezo-Druckkopftechnologie gearbeitet. Mit diesem kontaktlosen Druckverfahren lassen sich auch kleinere Auflagen wirtschaftlich realisieren. Nachteil dessen ist, dass eine genaue Abstimmung von Substrat, Tinte und Druckkopf, sowie eine regelmäßige Kalibrierung notwendig ist. Ein Primer bzw. eine Farbempfangsschicht auf dem Substrat verbessert die Druckqualität erheblich.

Hierbei wird zwischen Single-Pass und Multi-Pass unterschieden. Beim Single-Pass stehen die Druckköpfe (Cartrige) fest über der gesamten Breite der Substratbahn, welche sich unter den Druckköpfen mit konstanter Geschwindigkeit passend zur Druckauflösung bewegt.

Beim Multi-Pass wird der Druckkopf mit einem Schlitten über das Substrat geführt, welches über einen Stop & Go Vorschub vorwärts bewegt wird. Das Substrat ist somit beim Druckvorgang immer in Ruhe, Substratstellen werden mehrmals überdruckt.


Bezüglich der Substrate werden vorwiegend Faserstoffe wie Dekorpapier, Vorimprägnat oder Overlaypapier verwendet. Zum anderen kommen thermoplastische Folien wie PP, PET oder PVC zum Einsatz. Die Druckfarbe muss lichtstabile Pigmente für Langzeitanwendungen aufweisen. Sie muss stabil gegen „Ausbluten“ und ausreichend porös sein, um nach dem Druck vom Imprägnat durchdrungen werden zu können.

Im Bereich der Veredelung stellte Sebastian Andrä noch die Imprägnierung, Verbundlaminate sowie spezielle Lackierungen vor. Durch Auftrag von Melaminharz aufs Dekorpapier wird dieses imprägniert, sodann mit Kurztaktpressen kaschiert und letztlich zum Schutz lackiert.

Über schattdecor AG:

Die Schattdecor AG ist Dekordruck-Weltmarktführer und versorgt Kunden aus vielen Branchen seit der Gründung im Jahr 1985 mit hochwertigen Dekoren und Produkten, mit anspruchsvoller Beratung und zuverlässigem Service. Schattdecor-Oberflächen finden sich überall auf der Welt: Sie kleiden zum Beispiel Möbel oder Laminatfußböden und spielen eine wichtige Rolle im Caravan-Innenausbau beziehungsweise im öffentlichen Raum.

2021 setzt sich Schattdecor mit dem Megatrend der „Urbanisierung“ auseinander: Das Trendbuch der Dekordruck-Firma zeigt den Einfluss des urbanen Wandels auf die Branche auf. Diese und weitere Themen wird Sebastian Andrä in seinem Vortrag näher erläutern.